Der lang geplante Urlaub mit Felix und Mina liegt vor mir. Und natürlich geht es zu Melanie und Alain an den Lac de Ste. Croix. Zuvor will ich auch noch eine Woche nach Annecy, um mein Französisch ein wenig aufzubessern…

Annecy - Lac de Ste. Croix

10. bis 30. Juni 2022

Blick vom Anlegesteg in Menthon-Saint-Bernard

10.Juni 2022

Ab in den Urlaub

Es ist einfach ein tolles Gefühl, Frieda wieder am Haken zu haben … und außerdem geht es nach FRANKREICH:-) Ich liebe zwar meinen Dauerstellplatz auf dem Campingplatz Weiherhof – aber das hier fühlt sich nach Urlaub an! URLAUB!

Frieda trottet brav hinter mir her, gibt auch keinen Laut von sich, als mich das Navi mitten durch Colmar lotst. Nein, liebes Navi, Colmar ist ja wirklich sehr schön, aber mit einem Wohnwagen im Schlepptau durch die engen Gassen zu fahren – soll das ne gute Idee sein?

Gut, wir haben es überlebt. Und werden anschließend belohnt mit einer  angenehmen Route über die Nationalstraße zwischen Colmar und Belfort.

Eigentlich wollte ich die Nacht in Besançon verbringen, da ich aber gut vorangekommen bin, habe ich mich spontan entschlossen, bis zum Lac de Vouglans  auf den Camping Surchauffant zu fahren.

Der Lac de Vouglans ist mit einer Länge von 35 Kilometern der drittgrößte Stausee Frankreichs. 1968 wurde die 103 Meter hohe Staumauer fertiggestellt und das Tal des Flusses Ain gestaut. Damals sind – wie in anderen Stauseen auch – zahlreiche Dörfer im Wasser verschwunden. 

Heute soll der See ein Urlaubsparadies für Wassersportler sein. Davon merke ich noch nichts, glücklicherweise ist hier noch nicht viel los. Auch der Campingplatz ist noch leer.

Der junge Mann an der Rezeption weigert sich konsequent, mit mir französisch zu sprechen. Ich gehe mal davon aus, dass er einfach nur höflich sein will – mich nervt es trotzdem!!!

Ich bekomme einen Stellplatz in der unteren Reihe zugewiesen. Vom Platz gelange ich über einen kurzen Weg zum Strand. Der ist ganz hübsch, aber die Region wird mich nicht noch einmal hierher locken. Mir fehlen die Berge, ich meine die richtig hohen… aber für eine Nacht ist es ok.

Und morgen muss ich nur noch 150 Kilometer fahren, um auf einem kleinen Campingplatz am Nordufer des Lac d’Annecy für eine Woche meine Zelte aufzuschlagen. Oder Frieda abzustellen. Was auch immer…

11.Juni 2022

Angekommen auf einem verträumten Campingplatz

Es ist 12 Uhr, als ich auf dem Camping Le Clos Don Juan ankomme. Nein, es ist kein Problem, dass ich zu früh da bin, sagt der Chef des Platzes und zeigt mir einige Stellplätze, von denen ich mir einen aussuche. Es sind nur wenige Urlauber da.

Der Campingplatz liegt am Ortsrand des Örtchens Menthon-Saint-Bernard, ist mit weniges Stellplätzen sehr überschaubar, es ist herrlich ruhig hier – genau, wie ich es mag. Und Frieda passt mit ihren  Außenmaßen gut zu den doch etwas bescheiden bemessenen Stellplätzen. Aber die gesamte Anlage ist super gepflegt. Und ganz toll ist der Blick auf das Chateau Menthon-Saint-Bernard.

Hier fühle ich mich richtig wohl!

Mein Stellplatz, im Hintergrund das Chateau

12.Juni 2022

Menthon-Saint-Bernard

Die erste Aktion heute: Brille fällt vom Waschbeckenrand, Glas fällt raus.

Super!

Und jetzt???

Ich habe zwar zum Autofahren noch eine Brille, aber damit kann ich doch nichts lesen… und natürlich ist heute auch noch Sonntag!

Freund Google hilft mir, einen Optiker zu finden, der schon am Montagmorgen geöffnet hat. Üblicherweise machen viele Geschäfte in Frankreich montags nicht auf. Und ich kann sogar online einen Termin vereinbaren. Gut, bis dahin werde ich es irgendwie schaffen. Es passt auch, da mein Französischkurs erst mittags beginnt.

Also mache ich mich jetzt mal auf den Weg, um die Umgebung zu erkunden.

Menthon-Saint-Bernard wirkt sehr beschaulich. Im Ortskern einige wenige Geschäfte, am Ufer ein kleiner Hafen. Als ich hier vorbeispaziere, badet eine Frau mit ihrem Hund im See. Gleich daneben ein Schild, das genau das verbietet:-) 

Es zieht nicht viele Touristen in die Gemeinde, die etwa zehn Kilometer von Annecy entfernt liegt. Klar, hier ist nichts los – dann bin ich hier richtig.

Das Chateau Menthon-Saint-Bernard möchte ich natürlich auch sehen. Ob ich es besichtigen kann? Es soll ja in Privatbesitz sein. Na, mal sehen. Vom Campingplatz aus sieht es zumindest interessant aus.

Ich finde tatsächlich einen straßenähnlichen Pfad, der zum Schloss führt und den mein Auto ohne Zwischenfälle meistert. Die Wanderer, die ich dabei überhole, machen mir ein wenig schlechtes Gewissen… ich Faulpelz nehme wieder das Auto, anstatt mich zu bewegen…

Oben angekommen, bin ich ganz froh über diese Entscheidung, denn es ist nur wenig vom Schloss zu sehen. Und hinein komme ich auch nicht, ein Schild preist Führungen für den Nachmittag an. Ich stakse also, mit meiner Fernbrille auf der Nase, etwas desorientiert um das Chateau herum. Ok, es war ein Versuch…

13.Juni 2022

Annecy

Blick auf den Lac d'Annecy

Das Brillen-Problem ist schnell gelöst: Der Optiker bringt mein Glas innerhalb zwei Minuten wieder dorthin, wo es hingehört. Puh… zum Glück.

Bis zum Kurs bleiben mir zwei Stunden Zeit. Die nutze ich, um noch einmal durch die Altstadt von Annecy zu schlendern. Bin ja nicht zum ersten Mal hier, aber es ist jedes Mal ein Erlebnis.

Heute sind nur wenige Touris unterwegs, offensichtlich schlafen die jungen Akteure des Festival d’Animation  – also des Trickfilmfestivals – noch. Unglücklicherweise habe ich mir ausgerechnet die Woche ausgesucht, in der das Festival stattfindet, dementsprechend voll ist die Stadt.

Ich laufe also durch die Gassen, nicht ohne mir einen heißgeliebten Meringue zu gönnen. Ich weiß, diese Gebäcke bestehen zu 99 Prozent (oder so) aus Zucker und etwas Eischnee, sind total ungesund… aber ich liiiiebe sie. Und die Macarons sind auch noch dran:-)

Heute steige ich sogar zum Chateau hoch. Auf eine Besichtigung verzichte ich aber, sie wollen wieder Eintritt.

14.Juni 2022

Die Sprachschule Ifalpes

Die Schule ist so, wie ich sie in Erinnerung habe: Klein, mit zwölf (???) Klassenräumen zu je bis zu 15 Sitzplätzen. Auch hier hebe ich den Altersdurchschnitt der Schüler enorm: Es sind fast ausschließlich junge Leute da, die kaum die 30 erreicht haben. Aber da muss ich durch.

Vokabeln, Hörübungen, Gruppenübungen… es wird nicht langweilig. Die Kursleiterinnen – Severine und Corinne – machen einen tollen Job und bringen Stimmung in die Gruppe. Corinne kann sich sogar erinnern, dass ich im letzten Jahr schon einmal da war.

Spannend sind die Geschichten, die die Schüler mitbringen. Neben mir sitzt ein Mann aus Japan. Er erzählt, dass er am Wochenende die (den?) Trail du Jean-Jacques gelaufen ist. die neue Sportart nennt sich Trail Running und beschreibt eine Art Langstreckenlauf durch die Natur. Hut ab… 123 Kilometer durch die Berge… unvorstellbar.

Ein anderer junger Mann kommt – wie die meisten im Kurs – aus den USA. Er will mit seiner Frau nach Afrika gehen, um dort Entwicklungshilfe zu leisten. Toll!!!

Der Eingang zur Sprachschule Ifalpes

15.Juni 2022

Auf der Suche nach Knoblauch

Heute habe ich erst nachmittags Kurs, also nutze ich den Vormittag, um meine “Bestellungen” zu besorgen. Oder zumindest den Versuch zu unternehmen. Meine Umgebung ist begeistert vom Knoblauch, der in der mediterranen Sonne aromatischer ist als der, den die deutschen Supermärkte anbieten. 

Dumm nur, dass die Ernte offensichtlich noch nicht begonnen hat…

Ich versuche es auf dem Wochenmarkt. Nichts.

Ich versuche es in einigen Supermärkten. Nichts.

Aber vielleicht gibt es in der Provence ja welchen.

Der Kurs macht richtig Spaß, mir fällt das Sprechen bereits viel leichter. Schade, morgen ist schon wieder der letzte Tag. Eigentlich müsste ich mal mehrere Wochen absolvieren…

16.Juni 2022

Letzter Tag im Sprachkurs

Mein letzter Kurstag heute. Schade. Komme gerade so richtig in Form:-). 

Habe heute volles Programm, also den ganzen Tag Unterricht, weil ich ja morgen weiter nach Les Salles möchte.

Im Nachmittagskurs treffe ich auf eine Frau in meinem Alter (das ist selten). Sie kommt aus der Ukraine. In der Pause kommen wir ins Gespräch. Sie erzählt mir, dass sie das Glück hat, dass sie bei den Schwiegereltern ihres Sohnes unterkommen kann. Ihr Sohn ist mit einer Französin verheiratet und lebt nebenan in der Schweiz. “Die Menschen sind nett”, sagt sie, “aber ich muss ja mit ihnen französisch sprechen, sie sind die einzigen Menschen, die ich im Moment habe”. Und dann bricht sie in Tränen aus. Ihr jüngerer Sohn ist momentan in Tschechien, erzählt sie. Im Moment gibt es keine Chance, ihn zu sehen. 

“Ich bin so froh, dass ich diesen Kurs machen kann, hier lerne ich wenigstens französisch, und ich kann mit Menschen sprechen”, sagt sie. Die einzige Möglichkeit, mit ihren Angehörigen zu sprechen, wäre  das Handy…

Verlegen wischt sie ihre Tränen weg… “Ich weiß nicht, wie es weiter gehen soll, was aus mir, meiner Familie wird…”, sagt sie.

Ich stehe hilflos neben ihr.

Natürlich kommt sie aus dem Donbas.

17.Juni 2022

Frieda hat nicht mehr alle Tassen im Schrank

Frieda hat nicht mehr alle Tassen im Schrank

Was passiert, wenn ein empfindlicher Magen über eine unebene Strecke geführt wird? Genau: Er präsentiert seinen Inhalt seiner Umwelt. Genau das hat Frieda heute auch getan. Auf diese Weise hat sie gegen die in Frankreich üblichen Bodenschwellen protestiert, die in jedem Dorf allgegenwärtig sind, um Autofahrer zu akzeptablem Fahrstil zu zwingen.

Nein.

Ich bin kein Raser.

Nein.

Wirklich nicht.

Ich habe diese Bodenschwelle mit atemberaubenden 25 Stundenkilometern genommen. Und in genau diesem Moment wusste ich: Frieda hat nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Und wer ist Schuld? Kein Ahnung. 

Aber irgendwas stimmt da wohl nicht: Offensichtlich gibt es große Dissonanzen zwischen denen, die die Beschilderung setzen und denen, die die Schwellen bauen… 

Jedenfalls hat es mich eine Stunde gekostet, bis ich das Chaos beseitigt hatte. Bin ja selbst Schuld: Warum habe ich auch Couscous und Leinsamen dabei???

Und was lerne ich daraus?

Ich werde alle Schilder ignorieren, die darum bitten, über die Bodenschwellen mit 30 Stundenkilometern zu preschen. Werde wie immer vor jeder Schwellen stehenbleiben, um sie dann in Schrittgeschwindigkeit zu nehmen. Sollten die Fahrzeuge hinter mir ungeduldig werden, lade ich sie gern zur nächsten Aufräum-Aktion ein…

Trotz aller Unpässlichkeiten von Frieda verläuft die Fahrt gut. Ich bin teilweise allein auf der Straße und komme gut voran. Nur die letzten Serpentinen, über die mich das Navi lotst, müssen nicht sein. Ich muss mir die Route merken, damit ich nicht einmal dort rumkurve.

Ich komme an herrlichen Lavendelfeldern vorbei, bin erstaunt, dass schon jetzt alles in voller Blüte steht.

Melanie ist freundlich wie immer, spricht auch französisch mit mir. Ich darf sofort auf meinen Platz und beginne mit dem Aufbau. Seit 30 Jahren komme ich auf den Camping les Pins in Les Salles sur Verdon. Er liegt am Ufer des Lac de Ste. Croix, einem Stausee, der 1973 geschaffen wurde, um ein Elektrizitätswerk an der Staumauer zu betreiben und die Wasser- und Trinkwasserversorgung der Region zu sichern. Nach dem Lac de Serre-Ponçon ist er der zweitgrößte Stausee Frankreichs. Die Bewohner des  ehemaligen Les Salles sur Verdon mussten ihre Heimat verlassen, da das Dorf im Tal lag und dadurch von den Wassermassen überflutet wurde.

Das Dorf wurde wieder neu aufgebaut und zählt heute nur noch etwa 200 Einwohner. Viele Menschen haben seit dem Bau der Staumauer das Dorf verlassen, da ihnen die Quelle ihrer Einnahmen – die Trüffelernte – genommen wurde. Nur wenige können von den Einnahmen leben, die der Tourismus in den Sommermonaten bringt. Die Geschichte des Dorfes ist auf einer privaten Webseite gut zusammengestellt.

Alains Vater hatte nach dem Bau der Staumauer den Camping les Pins angelegt, Alain betreibt ihn zusammen mit seiner Frau Melanie weiter. Die Anlage ist sehr gepflegt, die Stellplätze sind parzelliert, teilweise auf Terrassen angelegt und gut beschattet. Und was ich am meisten hier schätze: die herrliche Ruhe auf dem Platz und am Strand.

Es sind 34 Grad. Meine beiden Kühlschränke fechten den Kampf ihres Lebens aus: Der eine (Kompressor) hat es nach acht Sunden auf neun Grad geschafft, der andere (Absorber), trödelt zu der Zeit noch bei 15 Grad rum…

Morgen hole ich Felix und Mina in Nizza ab. Ich freue mich sehr.

18.Juni 2022

Auf zum Flughafen nach Nizza!

Auf dem Wochenmarkt in Aups gibt es frischen Knoblauch.

Ich hab ihn…. den Knoblauch:-). Auf der Fahrt zum Flughafen Nizza halte ich kurz auf dem Wochenmarkt in Aups. Und im Gegensatz zu den Märkten in Annecy wird hier überall frischer Knoblauch angeboten. Die Händlerin fragt mich zweimal, ob ich wirklich vier Kilo haben möchte… ja… möchte ich.

Muss ich den eigentlich verzollen???

An der Côte d’Azur ist es wie immer heiß und laut, und ihre Straßen sind überfüllt. Ich verstehe die Menschen nach wie vor nicht, die hier Urlaub machen. Aber vermutlich bin ich damit allein.

Felix und Mina landen mit einer Stunde Verspätung. Wir machen uns auf den Rückweg. Es sind 35 Grad, und mein Auto hat keine Klimaanlage.

Nein, es hat wirklich keine.

Ja, es war ein Fehler, sich dagegen zu entscheiden. Aber bis zum nächsten Auto dauert es noch viele Spar-Monate. 

Mina wirkt ganz und gar nicht gestresst durch den Flug, plappert fröhlich – sie hat viele Erlebnisse zu verarbeiten.

“Schau mal Mina, da sind Flugzeuge, die haben Wasser im Bauch”, sage ich und zeige auf die Löschflugzeuge, die über der Straße fliegen.

“Dann kann da aber niemand mehr drin sitzen und in den Urlaub fliegen”, erwidert sie.

“Das hast du sehr gut erkannt”. Ich muss innerlich schmunzeln. Wie lange ist es doch her, dass ich diese Gespräche mit meinen eigenen Kindern hatte…

Bevor wir am Campingplatz ankommen, wundern wir uns noch über die schlechte Sicht, die Berge in Richtung Verdon-Schlucht sind kaum zu erkennen. Die Polizei hat die Zufahrtsstraßen nach Aiguines – also in Richtung Schlucht – abgeriegelt.

“Da oben brennt es”, meint Felix schließlich und zeigt auf einen Berg hinter uns…

Am Campingplatz angekommen, ist alles voller Asche: Stühle, Tische, Kocher, Kühlschrank…

Jetzt wird mir auch bewusst, welchen Auftrag die Flugzeuge vorhin hatten: Sie holen Wasser aus dem Lac de Ste. Croix, um ein Feuer zu löschen.

Das Internet verrät uns, das gerade 600 Hektar auf dem benachbarten Militärgelände brennen. Es ist mir irgendwie unheimlich.

19.Juni 2022

Es brennt noch immer

Der Lac de Ste. Croix hat in diesem Jahr weniger Wasser als in den meisten Jahren zuvor.

Heute ist der erste “richtige” Urlaubstag. Wir haben keine Pläne, wollen einfach nur zum Strand.

Der Strand ist sehr steinig, aber mit dem entsprechenden Schuhwerk ist es kein Problem. Meine Kinder hat es nie gestört, auch Mina beschwert sich nicht.

Der See wird aus dem Verdon gespeist. Der Fluss hat seinen Namen von seiner Farbe (vert=grün), sein Wasser enthält Fluor und leuchtet dadurch smaragdgrün. 

In diesem Jahr ist der Wasserstand extrem niedrig, so niedrig habe ich ihn in den letzten 30 Jahren noch nicht erlebt. Wir vertreiben uns heut den Tag damit, dass wir nichts tun…

Unterbrochen wird unsere Idylle durch die Löschflugzeuge, die wieder da sind – insgesamt sieben Stück. Am Berg ist wieder eine Rauchsäule zu sehen, und es dauert nicht lange, bis der gesamte See in eine grau-gelbliche Wolke gehüllt ist.

Der Brand ist im Camp de Canjuers (defense.gouv.fr) entstanden. Das Militärgelände ist mit 35000 Hektar das größte in Europa. Wie France Bleu Provence vermeldet, ist es “verschmutzt durch explosive und nicht-explosive Munition”. Es ist also schwierig, das Feuer konventionell unter Kontrolle zu bringen, ohne die Feuerwehrleute zu gefährden. Deshalb wird aus der Luft gelöscht. Die Flugzeuge sind fast bis zum Sonnenuntergang im Einsatz…

Der Rauch kommt vom Militärgelände, das hinter dem Berggipfel beginnt.

21.Juni 2022

Ungeziefer

Auf den Büschen sitzen sie.

Auf den Bäumen sitzen sie.

Überall sitzen sie. Und flattern rum: kleine weiße Falter.

Motten?

“Nein”, erklärt mir Melanie. “Das Ungeziefer frisst ganze Büsche leer…”.

Freund Google verrät mir, dass es sich um die auch bei uns gefürchteten Buchsbaumzünsler handelt. Ja, auch bei mir hatten die unersättlichen Raupen dieses Schmetterlings einen meiner Buchsbaumbüsche so kahlgefressen, dass er sich nicht wieder erholt hat. Was für eine Plage!

22.Juni 2022

Wochenmarkt in Aups

Auch Korsika ist auf dem Markt vertreten: Mit Salami und Schinken und korsischem Bier.

Heute ist Mittwoch, also Markttag in Aups. Ich liebe diese Märkte in der Provence: voller Obst und Gemüse, Kräutern und Oliven – allesamt unter der Mittelmeer-Sonne gereift. Je weniger Touristen da sind, desto ursprünglicher sind die Märkte. Aktuell geht allerdings die Hochsaison gerade los…

23.Juni 2022

Mein Geburtstag

Ich bin ja ehrlich: An die “60” muss ich mich erst gewöhnen.

Petrus zumindest scheint tiefbetrübt zu sein: Er schickt heute dicke Regentropfen auf uns herab. Den ganzen Tag über…

Aber gut, ich werde jetzt auch nicht drüber nachdenken.

Mina hatte mich gestern mit großen Unschuldsaugen gefragt, ob ich denn keinen Geburtstagskuchen backen möchte.

Nein. Mochte ich nicht.

Heute Morgen steht er dann vor mir: Der Mini-Kuchen, beleuchtet von zwei Wunderkerzen. Beim genauen Hinschauen sehe ich … eine “60”…

25.Juni 2022

Ausflug nach Aiguines

Blick auf das Château d'Aiguines

Aiguines ist eine knapp 300 Seelen-Gemeinde und ruht am Eingang der Verdon-Schlucht. Der Ort liegt oberhalb von Les Salles, sein höchster Punkt liegt auf 1.572 Metern Höhe.

Wir können Mina überzeugen,

 zum “Spielplatz” zu fahren. Den gibt es wirklich, und wir lassen ihr viel Zeit, um ihn zu erkunden. Dabei begegnet uns ein Käfer in einer Größe, wie ich ihn noch nie gesehen habe: Der Kerl misst mindestens zwölf bis 15 Zentimeter … Er muss zu einer Art Bockkäfer gehören… keine Ahnung. Mina bestaunt ihn kurz, um sich dann wieder ihrer Schaukel zuzuwenden.

Vom Spielplatz aus bietet sich ein schöner Blick auf das Chateau d’Aiguines. Es soll einem Fußballer gehören und bleibt Besuchern verschlossen.

Auch die Schlucht bleibt verschlossen: Noch immer sind Feuerwehren unterwegs, um den Brand zu bändigen, und die Straße ist gesperrt.

27.Juni 2022

Letzter Tag

“Omi, da vorn in dem Teich sind Fische! Einer ist biolett-rot, und dann noch einer biolett-orange, und noch einer biolett-gelb!”

Mina ist ganz aufgeregt. Ich folge ihren Blicken … und sehe… nichts. Nur gewöhnliche …Goldfische:-)

Ich habe einfach vergessen, wie bunt die Welt für eine Vierjährige ist. Schön, dass ich es erleben darf. Langsam finde ich mich in meine Rolle als Großmutter ein.

Es ist unser letzter Tag, und ich bin traurig, dass die Zeit schon wieder vorbei ist. Zu kurz war die Zeit. Viel zu kurz.

Sonnenuntergang am Lac de Ste. Sroix,

29.Juni 2022

Heimreise

Nach 460 Kilometern Fahrt bin ich auf dem Campingplatz La Marjorie angekommen. Ich hatte den Platz in sehr angenehmer Erinnerung – im ergangenen Jahr habe ich hier schon einmal übernachtet. Ich werde auch heute wieder sehr freundlich empfangen. Allerdings wird mir ein Stellplatz im Bereich der Wohnmobile zugewiesen – wenige Meter über mir brausen die Autos vorbei. So hatte ich den Platz nicht in Erinnerung!

Ich kann mir aber problemlos einen anderen Stellplatz aussuchen, und ich ziehe in den etwas ruhigeren Bereich um. Hier ist die Straße zwar immer noch zu hören, aber meinen Schlaf stört sie nicht.

Morgen geht es weiter in Richtung Elsass.

30.Juni 2022

Letzter Halt

Letzter Halt, letzter Urlaubstag. Ich bin 360 Kilometer gefahren, wollte eigentlich auf dem Campingplatz in Molsheim übernachten, aber dort ist Mittagspause – und der Platz erscheint mir recht laut, da er an zwei Straßen grenzt.

Hier hingegen ist es herrlich ruhig. Liebevoll erklärt mir Frédéric, wie ich meinen Wohnwagen aufstellen darf. Der Platz ist sehr leer, es sind wenige Durchreisende da. 

Eigentlich wollte ich noch ein paar Dinge einkaufen, die es nur in Frankreich gibt: Brioche, Käse. Aber irgendwie habe ich gerade keinen Nerv dafür…

Morgen geht es nach Hause. Ich komme wieder. Bald.

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12 Responses

  1. Hallo Inge, deine Erlebnisse mit der hübschen Frieda sind ja richtig toll. Danke, dass du mir die Adresse deines Blogs geschickt hast. Von jetzt an werde ich dich immer “verfolgen”. Ich hoffe, wir sehen uns bald mal wieder in “echt” – und bis dahin “virtuell”.
    Hab viel Spass in Frankreich und komm gut immer wieder.
    Gros bisous,
    Doris

    • Liebe Doris,
      vielen lieben Dank! Ja, mal sehen, in welche Region Frankreichs mich meine nächste Reise führt. Und irgendwann steht auch Montpellier auf dem Programm:-)

      Liebe Grüße,
      Inge

  2. Liebe Inge,
    ich habe jetzt alles noch einmal gelesen… sehr sehr schön dein tolles Frieda Tagebuch und mit Sicherheit sehr hilfreich für Frankreich Liebhaber abseits des Massentourismus. Ich wünsche dir und Frieda noch ein paar tolle Erlebnisse und für heute einen ganz besonders tollen Tag😎 Viele liebe Grüße und bis bald
    Michi

    • Liebe Michi,
      vielen lieben Dank… ja, du weißt ja, wie gern ich in der Provence bin…
      Ich hoffe, wir sehen uns bald.
      Liebe Grüße,
      Inge

  3. Chere Inge, j‘ai lu ton carnet de voyage avec plaisir.
    Merci pour les informations interessantes!
    Je connais bien Annecy, un lieu tres joli.
    Comme tu sais parler francais, je ne t‘ ecris pas allemand.
    Je serais au camping a Seck a partir du 20 juin jusqu‘au 29 juin.
    Et peut-etre en juillet…
    bonne route! amicalement Claudia
    Mein Handy hat keine Akzente.

  4. Liebe Inge,
    was für ein großartiger Bericht! Das liest sich wie ein gutes Buch. Die eingestellten Fotos sind atemberaubend schön und machen Lust darauf mehr zu sehen.
    Ich wünsche dir mit deinen Lieben unvergessliche Tage und natürlich neuen “Stoff” für den weiteren Urlaubsverlauf. Freue mich aber auch über den Life-Bericht bei einem Gläschen Schorle, wenn du wieder im Westerwäldchen bist 😍.
    Ich bin froh, dass die Feiertags-Wochen und der stattfindende Auf-Abbau-Massentourismus am Sonntag ein Ende findet! Ich sehne mich zurück in die Zeit, als unser Platz nicht so bekannt und gefragt war…
    Mach’s gut liebe Inge und bringe dich mit Frieda gesund und munter wieder zum Secker Weiher.
    Ich umärmele dich aus der Ferne und schicke ganz herzliche Grüße.
    Thaila 👋☀️😘🌸

    • Liebe Thaila,
      vielen lieben Dank, es freut mich, wenn dir meine Seite gefällt. Im Moment genießen wir die Ruhe und das mediterrane Flair… bis bald:-)
      Liebe Grüße,
      Inge

  5. Hallo Inge, schön hast du es ,
    bald werden ja endlich dein Sohn und Enkelin dabei sein…sicher freust du dich wie Bolle.
    Hier auf dem Campingplatz geht’s gerade ziemlich turbulent zu…Touri’s rings um unsere Plätze!!!
    Zelte werden aufgebaut, das einklopfen der Heringe schallert schon den ganzen Tag ….Wohnwagen werden ausgerichtet, bellende Hunde geschimpft, Kinder lauthals bei Fuß gerufen.
    Sei froh, dass es bei dir ruhiger ist.
    Genieße
    LG Rosi

    • Liebe Rosi,
      vielen lieben Dank, ja, ich freue mich sehr auf die beiden.
      Und was die Ruhe betrifft: Solch einen Lärm kenne ich tatsächlich nur von “unserem” Campingplatz. Tja, schade eigentlich.

      Bis bald,
      Inge

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