Noch nie bin ich so orientierungslos gestartet. Meine Pläne für meinen Urlaub sind geplatzt. Jetzt muss ich umdenken. Gut. Es steht fest: Es geht in den Süden. Nach Montpellier.

Montpellier - Tarn-Schluchten

12. bis 26.8.2022

12. August 2022 - erster Zwischenstopp in Beaune

Urlaub. Es fühlt sich an… wie…keine Ahnung. Nicht wie Urlaub. Irgendwie hat mich die Änderung der Urlaubsplanung doch etwas durcheinandergeschüttelt. Aber ich will mich nicht beschweren – vor mir liegt freie Zeit. Zeit, ohne Verpflichtungen, ohne Stress…

Und ich fahre in den Süden, in die Wärme, die ich liebe. Ich lerne eine neue Region Frankreichs kennen: Montpellier und die Schluchten des Tarn.

Und damit gleich alles neu ist, fahre ich auch eine andere Strecke als sonst. Ich fahre über Luxembourg – Nancy – Dijon – Moulins – und dann die A71 Richtung Süden. Und: Es lohnt sich schon jetzt. Ich fahre Autobahn, die bis hinter Nancy mautfrei ist. Danach folgt eine gut befahrbare Nationalstraße, ohne viele Ortschaften zu durchqueren, ohne Bodenwellen. Es macht durchaus Sinn, die Autobahn zu verlassen! Ich komme super voran. 

Ich komme am späten Nachmittag auf dem kommunalen Campingplatz des Örtchens Beaune an. Schon der Name des Campingplatzes weist darauf hin, wo ich hier gelandet bin: Les Cent Vignes – Die hundert Weine – ich befinde mich im Burgund. 

Die Dame an der Rezeption ist leicht genervt. Ich versuche sie zu verstehen: Hier bleiben Touristen oft nur für eine Übernachtung, obwohl die Region auch sehenswert ist. Das macht den Campingplatzbetreibern viel Arbeit, müssen sie doch täglich unzählige An- und Abreisen organisieren.

Ich erhalte meinen Stellplatz zugewiesen, springe nochmal unter die Dusche und freue mich auf den nächsten Tag. Leider bleibt mir keine Zeit, um mir Beaune anzuschauen. Schade.

Gut organisiert ist hier die Abreise: Wer eher fahren möchte, als die Rezeption öffnet, kann den Schlüssel für die Schranke einfach in eine Dose werfen. Für die Durchreise ist das toll.

Die Porte Saint-Nicolas in Beaune

13. August 2022 - irgendwo im Nirgendwo

Eine bedrohliche Rauchwolke steigt über den Tarn-Schluchten auf.

Ich starte im Burgund. Hier sind die Straßen umgeben von sanften Hügeln, auf denen Weinreben wachsen. Fast, aber nur fast wie im Elsass. In den Dörfern sind die Winzer präsent, überall locken Schilder zur Weinprobe.

Wir rollen jetzt über Land, das heißt, wir durchqueren Ortschaften, die auch wieder die so heiß geliebten Bodenschwellen haben. Ich fahre gaaanz vorsichtig, und Frieda antwortet nur damit, dass sie die Tür des Kleiderschranks aufreist. Sie meint, ich hätte zu viele Sachen im Schrank!

Eine Frau hat zu viele Sachen dabei? Das geht doch gar nicht!

Niemals!!!

Irgendwie muss ich die verdammte Tür doch dazu bewegen können zuzubleiben! Ich habe nun wirklich nur das Notwendigste dabei. Wie auch immer das definiert werden kann:-)

Mein Ziel ist der Ort Millau in den Tarn-Schluchten. Als ich dort ankomme, seigt am Horizont eine schwarze Rauchwolke auf: Ich hatte schon im Radio gehört, dass es in der Region einen großen Brand gibt, seit Tagen schon. Kein Wunder bei der Trockenheit!

Aber die Rauchwolke macht mir doch etwas Angst. Ich fahre noch einige Kilometer weiter, bis ich an der Autobahn eine Hinweisschild auf einen Campingplatz finde: Camping les 4 Templies. Camping der vier Tempel.

Nun ja, was der Platz mit Tempeln zu tun hat, bleibt mir verborgen. Die Sanitäranlagen zumindest haben kein griechisches Niveau. Sie sind nichts für empfindliche Nasen und auch nicht für Menschen, denen Buchsbaumzinsler missfallen. Die Schmetterlinge wohnen jedem Gang in die geheiligten Hallen bei. In Scharen. Selbst ich finde das nicht so angenehm.

Ansonsten gleicht sich der Platz an die Höhenlage an: karg, wenig Vegetation, viele Felsen. Aber wer es mag…

Für mich ist es für eine Nacht ok.

14. August 2022 - angekommen in Montpellier

Von den vier Tempeln ist es nicht weit nach Montpellier. Ich komme am Vormittag an und kann sofort meinen Stellplatz beziehen.

Freundlich werde ich an der Rezeption darauf hingewiesen, dass mein Platz “feucht” sei, weil es eine Überschwemmug gegeben habe.

Nun ja.

Der Campingplatz befindet sich in einem Wald, jeder Stellplatz ist beschattet durch hohe Bäume. Nur wenige Plätze sind wirklich parzelliert. Das Ambiente ist irgendwie…triste.

Aber ich kann ja nicht alles haben: Entweder Sonne und Licht, oder hohe Bäume und Schatten. Und ich will ja auch nicht ewig hier blieben.

Am Stellplatz angekommen, empfangen mich gleich zwei Nachbarn: Auf DEEEN Platz wollen Sie? Der ist ja so furchtbar feucht! Passen Sie gut auf, dass Sie nicht ausrutschen!

Ok. Es bleibt mir ja nichts anderes übrig… Im Moment zumindest sieht er gut aus und ich kann Frieda gut aufstellen. 

15. August 2022 - Feuerwerk

Jedes Jahr werden am 15. August zu Maria Himmelfahrt öffentliche Feuerwerke veranstaltet.

Doris hat am Abend zum Picknick am Strand eingeladen. Dort wird es ein zentrales Feuerwerk geben. Doris und ihr Mann Jean-Marc treffen sich jedes Jahr dort mit Freunden, um das Feuerwerk zu sehen.

Meine Versuche, etwas für das Picknick zu backen, scheitern kläglich. Ich habe einfach zu wenig Zeit, um zu testen. Also müssen es die mitgebrachten Knabbereien tun.

Ein bisschen gruselt es mir ja: Ich allein unter lauter Franzosen… werde ich überhaupt ein Wort verstehen?

Doris und Jean-Marc holen mich ab, nicht ohne Frieda zuvor zu inspizieren. Dann fahren wir zum Strand.

Doris’ Freunde sind wirklich sehr nett, begrüßen mich, als würde ich schon ewig dazugehören. Ich kann den Gesprächen gut folgen – was mich wirklich überrascht! Und freut natürlich:-)

Das zentrale Feuerwerk ist wirklich Klasse. Ein toller Abend!

16. August 2022 - in der Altstadt von Montpellier

Das Stadtzentrum von Montpellier wirkt sehr sauber und aufgeräumt.

 Ich schlendere mit Doris durch die Altstadt. Sie könnte ihr Brot auch gut als Reiseführerin verdienen: Zu jedem Punkt erzählt sie mir eine Geschichte, die in keinem Wikipedia-Eintrag zu finden ist…

Wir schlendern über den Theaterplatz, auf dem der Brunnen mit den drei Grazien. Steht. Früher stand hier mal ein großer Brunnen, ringsum Verkehr, verrät mir Doris. Der Verkehr ist mittlerweile vom Platz verbannt worden, was der Attraktivität sehr entgegen kommt.

Die drei Grazien fanden in der Geschichte immer wieder den Anstoß biederer Zeitgenossen. Das führte dazu, dass die Statuen – die am Oberköper nackt sind – zu bestimmten offiziellen Ereignissen verhüllt werden mussten.

Am Tour de la Babotte machen wir Pause. Im Innenhof befindet sich das Restaurant Les Jardins de la Babotte. Thailändische Küche, sehr zu empfehlen.

Unser Weg führt uns zur Porte du Peyrou, wie dieser Triumphbogen hier heißt. Er wurde zu Ehren von Ludwig XIV. Ende des 17. Jahrhunderts errichtet. Er bildet den Zugang zur Grünanlage Place royale du Peyrou. Der Begriff „Peyrou“ stammt aus dem Okzitanischen und bedeutet so viel wie steinig (frz. pierreux).

Oberhalb des Triumbogens befindet sich die Promenade du Peyrou mit der Reiterstatue von Ludwig dem XiV. Doris verrät mir, dass erzählt wird, dass der Sonnenkönig verfügt habe, dass es kein Bauwerk geben dürfe, das höher ist als diese Staue. Bis heute ist es wohl niemandem gelungen, höher zu bauen…

17. August 2022 - Unwetter

Plötzlich steht die Nachbarin meines Stellplatzes samt Tochter vor mir. Sie meint, es sei ein Gewitter vorausgesagt, und auf meinem Platz werde alles wegschwimmen. Ich sollte doch sicherheitshalber mein Auto vor den Campingplatz fahren. Und meine Stromanschlüsse lägen auf der Erde, die sollte ich doch lieber in Sicherheit bringen. 

Hm… Ist ja nett…

Ich habe gesehen, dass es ein Gewitter geben soll.

Ich kenne Gewitter im Süden – die haben viel Kraft und können viel Unheil anrichten.

Und jetzt???

Der Nachbar gegenüber spricht mich an. Alles Panikmache meint er. Vielleicht gibt es ein Gewitter. Oder auch nicht.  Dem (meinem) Auto wird schon nichts passieren.

Ok. Damit kann ich nun gar nichts anfangen. Auch er hat sein Auto  nach draußen gefahren. Ich bringe sicherheitshalber meine Stromleitungen ins Trockene. Das Auto bleibt jetzt hier. Hätte die Campingplatzleitung nicht vielleicht Bescheid geben sollen, wenn es wirklich so dramatisch ist???

Ich bleibe jetzt mal ganz ruhig. Im Moment regnet es. Und ich sitze ganz gemütlich unter meinem Sonnendach und tippe vor mich hin.

18. August 2022 - nach dem großen Unwetter

Das prophezeite Unwetter ist ausgeblieben. Es hat zwar geregnet in der Nacht, aber es gab keinen Sturm oder Hagel oder sonstige Katastrophen. Nur mein Stellplatz steht etwas unter Wasser. Es gibt Schlimmeres. Aber in weiser Voraussicht hatte ich schon Stromkabel und Müllsäcke nach oben verbannt. So bin ich wenigstens vor kleineren Katastrophen geschützt. Ob Frieda schwimmen kann? Ich glaube, darüber will ich jetzt nicht nachdenken.

Ich freue mich jetzt auf den Abend. Ich bin bei Doris und Jean-Marc zum Essen eingeladen. Und Doris prophezeit mir, dass Jean-Marc ein hervorragender Koch ist. Ich freue mich drauf.

Mein Stellplatz steht unter Wasser. Aber mehr auch nicht. Es ist schnell wieder alles abgetrocknet.

19. August 2022 - in den Tarnschluchten

Die Fahrt von Montpellier ist nicht spektakulär. Nach zwei Stunden erreiche ich den Platz, den ich mir in den Tarn-Schluchten ausgesucht habe: Les Cerisiers (die Kirschbäume).

An der Rezeption empfangen mich laute Reggae-Töne und ein junger Mann. Erstere gewinnen: Ich verstehe kein Wort. “Ah, oui, la musique…desolé”, meint er und dreht den Regler runter.

Freundlich zeigt mir der junge Mann die Plätze, die  nicht belegt sind. Ich habe Glück – am Ufer wird gerade ein Platz frei. Der ist riesig, ich könnte hier meine ganze Familie unterbringen. Und ich kann direkt auf den Strand blicken…

Der Campingplatz wirkt sehr gepflegt. Überall sind liebevolle Details zu sehen: Am Strand sind Liegen und Hängematten platziert, die Sanitäranlagen sind sehr sauber, Abfall wird nicht nur nach Glas, Plastik und sonstigem Müll sortiert, sondern es gibt auch noch eine Möglichkeit, Biomüll und Brotreste zu sammeln.

Warum dieser Platz nur zwei Sterne hat, ist mir ein Rätsel.

Die Landschaft ist fantastisch. Auf dem Campingplatz ist es traumhaft ruhig, nicht einmal Straßenlärm ist zu hören. Ich merke: Hier fühle ich mich wohl. Das ist Urlaub!

Blick auf den Tarn vom Ufer des Campingplatzes

20. August 2022 - La Cavalerie

Die Stadtmauer von La Cavalerie

Welch eine Ruhe herrscht hier! Keine jaulenden Automotoren, keine Bahn, kein Fluglärm… nur der Tarn rauscht stetig vor sich hin, und es geht etwas Wind.

Herrlich.

Neben mir hat eine französische Familie ihr Zelt aufgeschlagen – mit drei Kindern und Hund. Es ist nichts zu hören. Der Hund bellt nicht (vielleicht ist es ja ein Plüschtier???), die Kinder sind fröhlich und spielen miteinander. Nur als das Kleinste aus der Hängematte purzelt, gibt es Tränen…

Und wieder frage ich mich: Was ist hier anders als auf “meinem” Campingplatz, dem Campingpark Weiherhof? Dort habe ich schon sehr unruhige Zeiten verbracht mit Nachbarn, die ihre innerfamilären Konflikte gern auf dem Platz gut hörbar für alle umliegenden Camper präsentieren. Oder gute Erziehung über den Grad der Lautstärke in der Kommunikation mit den Sprösslingen definieren. Das ist für mich manchmal sehr anstrengend.

Aber ich bin ja auch immer mal unterwegs. Unterwegs in ruhigeren Gefilden:-)

Heute mache ich den ersten kleinen Ausflug, es geht nach La Cavalerie, in eine kleine 2000-Seelen Gemeinde. Der Ort liegt – wie die Tarn-Schluchten – im Nationalpark Grands Causses. Der Nationalpark gehört zum Unesco-Weltkulturerbe.

Auf mich wirkt die Hochebene sehr karg, die Flächen sind kaum bewachsen. 

La Cavalerie liegt nördlich des Larzac-Plateaus und wurde im 12. Jahrhundert von den Templern der Kommandantur von Sainte-Eulalie gegründet, die sich ab 1152 auf dem Larzac-Plateau niederließen.

 Cavalaria heißt auf Okzitanisch soviel wie “Tempelritter”. Die ließen sich zunächst einen Kilometer vom heutigen Dorf entfernt nieder. Nach einem Konflikt mit der Stadt Millau bauten die Templer an der heutigen Stelle ein neues Dorf, indem sie die Bevölkerung zwangen, sich dort niederzulassen. Das war im 12. Jahrhundert.

Hier an dieser historischen Stätte soll heute Markttag sein.

Ja, Markttag ist … aber der Markt ist winzig. Ich hatte mir einen typischen, südfranzösischen Markt vorgestellt, mit viel Gemüse, viel Obst, mit Käse und Wurst…

Na gut. Es war ein Versuch.

Ich schaue mir den Ortskern an, der mit einer Stadtmauer umgeben ist. Sie ist erst unlängst restauriert worden und lädt nun die Besucher zu einem Spaziergang in lichter Höhe ein.

Innerhalb der Mauern finden sich typische Häuser, wie in der Region Caussenard üblich, enge Gassen, Kopfsteinpflaster und die Kirche Notre Dame d’Assomption

Ich schlendere durch die engen Gassen und atme die Ruhe…

21. August 2022 - Gorges du Tarn - Tarn-Schluchten

Morgens an der Tarn

Es ist herrlich, hier aufzuwachen. Die Nächte sind angenehm kühl, heute Morgen zeigte das Thermometer 13 Grad.

Irgendwann kriecht die Sonne hinter den Bergen hervor, und der Tag kann beginnen.

Heute werde ich meinen ersten Ausflug in die Tarn-Schluchten unternehmen. Mein Ziel ist der Ort Ste. Enimie, der zu den schönsten Orten Frankreichs zählt.

Der Fluss Tarn hat bis zu 500 Meter tiefe Schluchten in die karge Hochebene der Causses gefressen. Die Schluchten sind herrlich grün, auch jetzt, nach der monatelangen Trockenheit – eine Oase für Pflanzen und Tiere.

In den ersten Orten empfangen mich Plakate: Danke, Feuerwehrmänner…

Natürlich, hier tobte noch vor einer Woche ein Feuer und verwüstete ungefähr 730 Hektar Grünfläche. Etwa 600 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Die Einwohner und Urlauber rund um das Feuer mussten evakuiert werden.

Einige Kilometer weiter sehe ich, was die Flammen angerichtet haben: Trockene, verbrannte Natur. Kilometerweit. Wer da das Thema Klimawandel nicht ernst nimmt, darf sich gern mal diese vernichteten Wälder anschauen…

Ich fahre weiter und passiere enge Straßen, die durch Felsüberhänge gekrönt werden, fahre durch Tunnel und wieder weitere, sattgrüne Täler. Die Landschaft ist bezaubernd, ich kann die Realität mit meinen Fotos überhaupt nicht abbilden…

Jede der Ortschaften hat ihren eigenen Charme: Les Vignes, La Maléne und schließlich Sainte Enimie.

Sainte Enimie zählt zu den schönsten Dörfern Frankreichs und zieht natürlich entsprechend Touristen an. Das Örtchen präsentiert sich hübsch, mit engen Gassen und sauber hergerichteten Häusern. Es ist schön anzusehen, aber mir ist es schon wieder zu viel Tourismus hier…

Ich mache mich auf den Rückweg und genieße noch einmal die einzigartige Natur der Tarn-Schluchten.

22. August 2022 - Millau

Das Viadukt von Millau. Mit knapp zweieinhalb Kilometern Länge ist es die längste Schrägseilbrücke der Welt.

Ich bin froh, nicht weit von Millau mein Lager aufgeschlagen zu haben: Die Stadt bietet mir allen Komfort der Zivilisation: Wochenmarkt, Supermärkte, Tankstellen, und wenn es notwendig würde, auch Ärzte und Apotheken. Mit etwa 22.000 Einwohnern wirkt die Stadt beschaulich. Große Sehenswürdigkeiten – außer einigen Kirchen – gibt es hier nicht, dafür eine sehenswerte Einkaufszone mit engen Gassen in der Innenstadt.

Die größte Errungenschaft der Stadt ist das Viadukt von Millau, das die Autobahn A75 über den Tarn führt. Die Brücke ist 2460 Meter lang und der höchste Pfeiler misst 343 Meter. Damit ist sie das höchste Viadukt der Welt.

Aus der Ferne sieht die Brücke schon spektakulär aus. Meine Höhenangst und ich haben es bisher vermieden, mit dem Auto samt Frieda drüber zu rollen.

 

25. August 2022 - Point Sublime, der falsche

Blick auf die Tarn-Schlucht

Die Schlucht lässt mich nicht los. Sattgrün, von bizarren Felsformationen umschlossen, zeigt sie sich als fruchtbare Oase, als hätte der extrem trockene Sommer auf einem anderen Planeten stattgefunden. 

Also geht es heute noch einmal in die Schlucht, diesmal zum Aussichtspunkt (point sublime) unweit von Les Vignes. Fotos auf diversen Webseiten haben mir eine grandiose Aussicht versprochen.

Die Aussichtsplattform befindet sich auf einem hohen Felsen an der Straße D907, die durch die Schlucht führt. Um nach oben zu kommen, müssen einige Treppen erklommen werden.

Und dann das: Schon nach den ersten Stufen ist sie wieder da. Sie spurtet vom Sehzentrum sofort in den Magen, der mir urplötzlich Übelkeit signalisiert. Mein Kleinhirn meint: Das ist deine Höhenangst… hattest du sie vergessen?

Nein. Hatte ich nicht.

Aber ich weiß auch, dass es keine Lösung ist, wegen der Angst schwindelerregende Höhen zu meiden.

Früher, als ich noch produktiver Tätigkeit im Kraftwerk nachgegangen bin, konnte ich auch ohne Probleme über die – 50 Meter über dem Boden schwebenden – Lichtgitterroste laufen… na gut, es hat auch drei Jahre gedauert, bis das ging:-)

Also beschließe ich, dass ich da jetzt durch muss. Ich will ja nach oben.

Meine Hände krampfen sich am Geländer fest, ich hangele mich Stufe für Stufe nach oben. Sicher haben Zuschauer etwas Unterhaltung  ob der jämmerlichen Gestalt, die ich abgebe…

Geschafft. Die Plattform besteht glücklicherweise aus einer Betonfläche, ich habe also wieder Boden unter den Füßen.

Ich wage einen Blick übers Geländer… ja wo ist sie denn… die gigantische Aussicht? Der Blick auf den Tarn ist ja ganz nett, aber irgendwie hatte ich mir mehr versprochen…

Nun gut. Ich beschließe, den Rückweg über eine andere Strecke zu nehmen. In Les Vignes biege ich ab: Zum Felsen (weiß ich nicht mehr) geht es da. 

Ich weiß nicht, wie ich mir die Strecke vorgestellt habe, die ich jetzt fahre… auf alle Fälle nicht so, wie mich mein Auto gerade fährt. Die Straße wird immer enger und schraubt sich in atemberaubende Höhe nach oben. 

Das “nach oben” will ich mir jetzt gar nicht näher vorstellen, meldet sich doch meine Freundin Höhenangst gerade wieder…in Gedanken sehe ich nur mein Auto und mich in den Abgrund stürzen.

Nirgends gibt es eine Möglichkeit zum Wenden, wenn ein Fahrzeug entgegen kommt, wird es auch seeeehr knapp: Links der Felsen, rechts die bodenlose Tiefe.

Mein Auto bringt mich aber dann doch noch zum Felsen, an dem es – Gottseidank – einen Parkplatz gibt. Auch hier ist die Aussicht nicht so grandios, wie ich sie mir vorgestellt hatte.

Während der Abfahrt schweigt meine Höhenangst. Ha, ich bin doch die Stärkere:-)

Am Campingplatz angekommen, verrät mir Google, dass dieser Aussichtspunkt doch nicht der ist, zu dem ich eigentlich wollte:-)

Irgendwann werde ich den richtigen Point Sublime finden… Morgen geht es wieder nach Hause.

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6 Responses

  1. Bonjour Inge,
    ich habe gestern spät noch deinen tollen Blog gelesen. Da bekommt man ja richtig Lust auf “Fronkreisch Fronkreisch” 😉
    Du bist ja mittlerweile eine richtige Camping-Queen und Spezialistin für La France!
    Ich wünsche dir noch ein paar tolle erholsame Tage mit vielen schönen Erlebnissen.
    Melde dich gerne mal, wenn du zurück bist.
    Würde mich sehr freuen.
    Ganz liebe Grüße,

    Michi

    • Liebe Michi,
      vielen lieben Dank, ja, die Landschaft hier ist schon toll. Ich kann gar nicht so viel einfangen…
      Ich freue mich aber auch wieder auf zu Hause und auf ein Wiedersehen,
      Bis bald,
      Inge

  2. Hallo Inge,

    Dein “Bericht” liest sich wieder einmal wie ein spannendes Buch
    …während dem Lesen denkt man die ganze Zeit: hoffentlich geht’s noch recht lange so weiter mit den netten Erzählungen.
    Du warst ja sehr fleißig, Hut ab…
    danke für die tollen Eindrücke, Beschreibungen und Fotos.

    Hab noch ganz viele lustige Erlebnisse und nette Begegnungen
    Liebe Grüße Rosi

  3. Liebe Inge, du kleine Abenteuerin, es ist mal wieder das schiere Vergnügen deinen Reiseverlaufs-Kommentaren zu folgen! Freue mich auf weitere Fotos und Berichte. Genieße deine Zeit und komme gesund und munter mit Frieda wieder zurück zu uns!
    Herzliche Grüße
    Thaila 👍🏻☀️😘

    • Danke, liebe Thaila,
      ich freue mich auch wieder aufs Heimkommen. Aber erstmal genieße ich die Ruhe hier, bevor es wieder etwas lauter wird;-)
      Bis bald,
      Inge

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